Von SPIE Suisse SA • Juni 2025
Verantwortungsvolle Digitalisierung: Konkreter Treiber für die digitale Transformation in Unternehmen
Verantwortungsvolle Digitalisierung etabliert sich zunehmend als konkreter Ansatz für Unternehmen, die operative Effizienz, das Engagement der Mitarbeitenden und einen reduzierten ökologischen Fussabdruck zusammenführen wollen.
Bei SPIE begleiten wir Schweizer Unternehmen, die im verantwortungsvollen digitalen Wandel weit mehr sehen als eine regulatorische Pflicht, sondern einen echten Treiber für Kohäsion und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
Was bedeutet verantwortungsvolle Digitalisierung?
Der Ansatz steht für ein ganzheitliches Vorgehen, mit dem Organisationen die Umweltbelastung digitaler Technologien über den gesamten Lebenszyklus von Geräten und Nutzung reduzieren. Er umfasst digitale Suffizienz (Reduktion überflüssiger Nutzung), die ethische Gestaltung digitaler Dienste (d.h. gelebte digitale Ethik), ein verantwortungsvolles Hardwaremanagement und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für die Umweltbelastung durch digitale Technologien.
In der Praxis bedeutet die nachhaltige digitale Transformation etwas Konkretes: ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien in jede Entscheidung rund um Digitales einzubeziehen. Das geht vom Hardwarekauf über den verantwortungsbewussten Einsatz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz bis zum täglichen Nutzungsverhalten.
Chancen und Risiken: eine zu lange unterschätzte Umweltbelastung
Der digitale Sektor verursacht heute 2 % des CO2-Fussabdrucks der Schweiz und fast 4 % weltweit. In der Schweiz wie andernorts wächst der digitale Fussabdruck von Unternehmen weiter:
- Zunahme vernetzter Geräte
- Volle, unaufgeräumte Cloud-Speicher
- Vorzeitiger Austausch von Endgeräten
Laut Gartner (2024)[1] sehen gleichzeitig 69 % der CEOs Nachhaltigkeit als wichtige Wachstumschance und ordnen sie unter den Top 10 ihrer Geschäftsprioritäten ein. Dieses Paradox offenbart eine Lücke: Das Bewusstsein für die Chancen und Risiken ist da, aber eine entsprechende Strategie fehlt.
Eine konsequente digitale Transformation voranzutreiben, ist heute kein Zeichen von Idealismus mehr. Sie wirkt direkt auf Markenimage, Arbeitgeberattraktivität und ESG-Glaubwürdigkeit gegenüber Stakeholdern.
Die 5 Säulen der verantwortungsvollen Digitalisierung
Um einen schlüssigen Ansatz aufzubauen, identifiziert das Referenzrahmenwerk des Institut du Numérique Responsable (INR), ein anerkannter Forschungspartner für digitale Nachhaltigkeit, fünf ergänzende Achsen:
- Strategie und Governance: Anforderungen der Digitalisierung an Unternehmenszielen ausrichten. Eine entsprechende Strategie auf Führungsebene verankern, Verantwortliche benennen, messbare Ziele festlegen und die Wirkung langfristig mit überprüfbaren Indikatoren steuern. So werden die Anforderungen der Digitalisierung direkt mit den Unternehmenszielen verknüpft. Nachhaltigkeit ist kein Nebenthema, sondern Teil der Geschäftsstrategie.
- Beschaffung und Einkauf: rechtliche Rahmen und ethische Kriterien. Digitale CSR-Kriterien in Ausschreibungen verankern, Lieferanten bevorzugen, die sich zu einem dokumentierten ökologischen und sozialen Engagement verpflichten, und Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus bewerten. Dabei greifen die rechtlichen Rahmen (CSRD, Lieferkettenrecht, Schweizer Sorgfaltspflichten) und freiwillige Selbstverpflichtungen ineinander.
- Endgeräte und Ausrüstung: Auf Wiederverwendung setzen, die Nutzungsdauer von Hardware verlängern und den Geräteaustausch auf das wirklich Nötige beschränken.
- Infrastruktur und Rechenzentren: Energieeffizienz, technische Robustheit, Sicherheit und Datenschutz. Die Energieeffizienz von Servern und Netzwerken optimieren, Indikatoren wie den PUE konsequent verfolgen und auf verantwortungsvolles Hosting setzen. Mit dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz und datenintensiven Anwendungen rücken zudem technische Robustheit sowie Sicherheit und Datenschutz in den Mittelpunkt, alles zentrale Prinzipien einer verantwortungsvollen KI (Responsible AI).
- Nutzung und digitale Dienste: digitale Ethik und verantwortungsbewusster Einsatz. Nachhaltige Praktiken im digitalen Alltag verankern (E-Mail, Speicher, Videokonferenzen) und Eco-Design von Anfang an in die Entwicklung von Anwendungen und internen Werkzeugen integrieren. Digitale Ethik, etwa beim Umgang mit Nutzungsdaten oder beim Design algorithmischer Funktionen, wird dabei zum integralen Teil der Produktentwicklung, nicht zum nachgelagerten Audit.
Diese fünf Säulen schaffen den Rahmen für einen Veränderungsprozess, der über reine Compliance hinausgeht und eine nachhaltige Dynamik in der Organisation verankert.
Werkzeuge austauschen genügt nicht: Der Mensch im Zentrum
Eine schlanke IT-Infrastruktur, die Migration in ein energiesparendes Rechenzentrum oder die Optimierung von Serverressourcen sind unverzichtbare Schritte. Ihre Wirkung entfaltet sich aber nur dauerhaft, wenn die Teams verstehen, warum sie handeln, und neue Gewohnheiten entwickeln. Ohne menschliche Akzeptanz verpuffen technische Gewinne: Überflüssige Daten häufen sich an, Geräte bleiben eingeschaltet, grosse E-Mails kursieren weiter und schlussendlich wird auch in wichtigen Geschäftsentscheidungen die Nachhaltigkeit in den Rücksitz katapultiert, wenn es keine gelebte Kultur dafür gibt.
Die kulturelle Dimension dieses Ansatzes ist kein nettes Extra. Sie ist das, was jeden technischen Beitrag nachhaltig wirksam macht.
Von der Sensibilisierung zur nachhaltigen digitalen Transformation
Echte kulturelle Transformation beginnt, wenn der verantwortungsvolle digitale Ansatz über die IT-Grenzen hinaus zum Anliegen jedes Funktionsbereichs wird. Dieser Wechsel von reinem Mitarbeiterbewusstsein hin zu tiefgreifender, funktionsübergreifender organisatorischer Veränderung ist es, was Organisationen, die messbare Ergebnisse erzielen, von denen unterscheidet, die bei guten Absichten stehen bleiben. Die Unterstützung dieser Transformation bedeutet, die Bedingungen für dauerhaftes Engagement zu schaffen: massgeschneiderte Schulungen, interne Champions, etablierte Team-Routinen und die Würdigung konkreter Initiativen.
Transparenz und Monitoring: drei Engagement-Ebenen
Die kulturelle Veränderung wirkt auf drei sich ergänzenden Ebenen. Wer eine davon ignoriert, baut auf einem brüchigen Fundament. Transparenz und Monitoring auf jeder Ebene sind die Voraussetzung dafür, dass Fortschritt nicht zur blossen Behauptung wird:
- Individuelle Ebene: tägliche Gewohnheiten, persönliche digitale Suffizienz, Bewusstsein für den eigenen digitalen Fussabdruck.
- Kollektive Ebene: Sensibilisierungsworkshops, Benennung interner Botschafterinnen und Botschafter, Teamroutinen und regelmässige Bestandsaufnahmen nachhaltiger Praktiken.
- Institutionelle Ebene: IT-Strategie mit messbaren Zielen, Kriterien für nachhaltige Beschaffung, eigene Governance-Struktur und ESG-Reporting.
Diese Stimmigkeit zwischen den drei Ebenen – der individuellen, der kollektiven und der institutionellen – ist das Fundament einer tragfähigen Strategie für digitale Nachhaltigkeit. Jede Ebene stärkt die anderen, und kontinuierliches Monitoring sorgt dafür, dass sich die Wirkung auch in klassischen Leistungsindikatoren niederschlägt.
HR, Einkauf, Kommunikation: alle Bereiche einbinden
Der digitale Wandel kann nicht ausschliesslich Sache der IT-Abteilung bleiben. Damit Veränderung in der gesamten Organisation greift, müssen drei Bereiche parallel aktiv werden: ein Ausdruck interdisziplinärer Exzellenz im Inneren des Unternehmens.
- Resources: digitale Skills, neue Arbeitsformen, Chancengerechtigkeit. Die Personalabteilung integriert entsprechende Kriterien in Onboarding, Weiterbildung und Mitarbeitendengespräche. Hybrides Arbeiten und neue Modelle der Zusammenarbeit werden konsequent unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten gestaltet, und das Engagement der Mitarbeitenden für digitale Themen wird zu einem eigenständigen Indikator für die interne Kultur. Auch digitale Barrierefreiheit und gleichberechtigter Zugang zu digitalen Werkzeugen gehören in diesen Bereich.
- Einkauf: Die Einkaufsteams wenden ökologische Kriterien in Hardware- und Software-Ausschreibungen an, fördern eine effizientere Ressourcennutzung und wählen Lieferanten aus, die sich zu einem nachhaltigen Vorgehen verpflichten.
- Interne Kommunikation: Die interne Kommunikation übernimmt eine treibende Rolle für den Zusammenhalt: Sie macht Initiativen aus den Teams sichtbar, kommuniziert gemessene Fortschritte und hält die Dynamik zwischen formalen Meilensteinen aufrecht.
Genau diese bereichsübergreifende Ausrichtung bewertet das Label des INR, wenn es den Reifegrad einer Organisation in Sachen digitale Nachhaltigkeit prüft.
Die Fresque du Numérique: Motor des kollektiven Engagements
Inspiriert von der Fresque du Climat ist die Fresque du Numérique (Digital Impact Workshop) ein dreistündiger kollaborativer Workshop, in dem ein Team gemeinsam die Wirkungskette digitaler Aktivitäten rekonstruiert. Das Ergebnis ist keine von oben verordnete Liste von Best Practices, sondern ein gemeinsames Bewusstsein, das spontanes und dauerhaftes Engagement schafft.
Was das Format für die kulturelle Transformation besonders wirkungsvoll macht: Es richtet sich nicht ausschliesslich an Fachleute aus der IT. Führungskräfte, HR-Teams, Vertrieb und Rechtsabteilung finden es ebenso relevant wie technische Teams. Der Workshop wird so zum Treiber bereichsübergreifender Veränderung – mit Wirkung auf den internen Zusammenhalt und darauf, wie die Mitarbeitenden digitale CSR selbst wahrnehmen.
SPIE führt diese Workshops mit eigenen zertifizierten Moderatorinnen und Moderatoren im Unternehmen durch – vor Ort oder hybrid – und begleitet Organisationen anschliessend beim Aufbau einer strukturierten Roadmap.
Vom Workshop zur Roadmap
Ein Workshop erzeugt Energie und Ideen. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, diese zu kanalisieren, damit der Schwung nach dem Termin nicht verpufft.
Um den Wandel dauerhaft voranzutreiben, hat sich ein Vorgehen in drei Schritten bewährt: (1) interne Botschafterinnen und Botschafter bereits während des Workshops identifizieren, (2) einen priorisierten Aktionsplan mit vierteljährlichen Meilensteinen festlegen, (3) entsprechende Ziele in die jährlichen Leistungsbeurteilungen der betroffenen Teams aufnehmen. So wird aus einem einmaligen Ereignis ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess – und der Wandel verankert sich langfristig in der Organisation.
Drei Best Practices – sofort umsetzbar
- Daten prüfen und bereinigen: Jedes überflüssige Gigabyte auf einem Server verbraucht laufend Energie. Eine jährliche Prüfung redundanter, veralteter oder irrelevanter Daten reduziert die Umweltbelastung der Organisation direkt und erzeugt messbare betriebliche Einsparungen.
- Klare Regeln für Nutzungsdauer, Aufarbeitung und End-of-Life: Klare Regeln für Aufarbeitung, Spende oder Recycling von Geräten am Ende der Nutzungsdauer verlängern die Lebensdauer und verringern den Druck auf die Produktion neuer Hardware. Eine der wirkungsvollsten Massnahmen zur Reduktion des digitalen Fussabdrucks.
- Teams in sparsamen digitalen Gewohnheiten schulen: Mitarbeitende für das Komprimieren von Anhängen, das Abbestellen nicht gelesener Newsletter und das Ausschalten von Geräten am Tagesende zu sensibilisieren, verankert digitale Suffizienz im Alltag – ohne technische Investition.
Diese drei Praktiken bilden ein solides Fundament für jede Organisation, die ihre Strategie für digitale Nachhaltigkeit aufbauen will, ohne auf eine vollständige Zertifizierung zu warten.
Was das Label für verantwortungsvolle Digitalisierung garantiert
Das Label des INR beschränkt sich nicht auf die technische Infrastruktur. Es prüft ausdrücklich die kulturelle Reife der Organisation: Sind die Mitarbeitenden geschult? Werden Nutzungsmuster gemessen? Berücksichtigen die Beschaffungsprozesse nachprüfbare Kriterien, die von einem unabhängigen Gremium geprüft werden?
Damit belegt das Label eine echte kulturelle Veränderung – kein blosses Lippenbekenntnis. Auch die Wahrung digitaler Grundrechte fliesst in die Bewertung ein. Es ist ein starkes Signal an Partner, Kundinnen, Kunden und Investoren, denen ESG-Kriterien etwas bedeuten.
Aus einer Anforderung einen Wettbewerbsvorteil machen
Dieser Wandel ist keine zusätzliche Last für die IT-Teams. Richtig umgesetzt wird er zu einem starken Treiber für das Engagement der Mitarbeitenden, einem glaubwürdigen CSR-Signal und einem Pluspunkt im Recruiting. Organisationen, die heute einen Vorsprung erarbeiten, positionieren sich vorteilhaft in einem Markt, in dem digitale Nachhaltigkeit schnell zu einem Standardkriterium wird.
Häufig gestellte Fragen
Was ist verantwortungsvolle Digitalisierung?
Der Ansatz umfasst alle Praktiken, die die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen digitaler Technologien über den gesamten Lebenszyklus reduzieren: Herstellung von Geräten, tägliche Nutzung, Entsorgung. Er stützt sich auf ergänzende Säulen: verantwortungsvolles Management von Geräten und ihrem Lebenszyklus, Weiterentwicklung der täglichen Nutzungsgewohnheiten, Eco-Design digitaler Dienste, strukturierte Governance mit messbaren Zielen sowie nachhaltige Beschaffung, die ökologische und soziale Kriterien bereits bei der Lieferantenauswahl einbezieht.
Was sind die 5 Säulen?
Die fünf Säulen sind: (1) Strategie und Governance, (2) nachhaltige Beschaffung und Einkauf, (3) Geräte- und Ausrüstungsmanagement (Wiederverwendung, Lebensdauerverlängerung), (4) Optimierung von Infrastruktur und Rechenzentren, (5) digitale Suffizienz und Eco-Design digitaler Dienste.
Was sind drei Best Practices?
Drei einfach umsetzbare und wirkungsvolle Praktiken: (1) ungenutzte Daten prüfen und löschen, um den Energieverbrauch der Speicher zu senken, (2) die Lebensdauer von Geräten durch eine Aufarbeitungs- oder Wiederverwendungsrichtlinie verlängern, (3) Teams für sparsame digitale Gewohnheiten schulen (Anhänge komprimieren, Geräte ausschalten).
Wie sensibilisiert man Mitarbeitende wirksam?
Am wirksamsten ist Sensibilisierung über kollektive Erfahrung statt über Top-down-Schulungen. Workshops wie die Fresque du Numérique (Digital Impact Workshop) ermöglichen es den Teams, die Wirkungskette selbst zu rekonstruieren, was spontanes und langfristig stabileres Engagement schafft als jede PowerPoint-Präsentation. Interne Botschafterinnen und Botschafter sowie sichtbare Quick Wins nach dem Workshop verankern die Dynamik dauerhaft.
Wer sollte das Vorhaben im Unternehmen leiten?
Der Ansatz lässt sich weder allein von der IT noch allein vom CSR-Bereich tragen. Er braucht eine bereichsübergreifende Governance, die mindestens die IT (Infrastruktur und technische Nutzung), den CSR-Bereich (Ziele, Reporting, Zertifizierung), HR (Schulung, interne Kultur) und den Einkauf (Lieferantenkriterien) einbezieht. In den reifsten Organisationen wird ein eigenes Komitee mit einer Sponsorin oder einem Sponsor aus der Geschäftsleitung etabliert.
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