Lesedauer: 14 Minuten · Sustainable IT Expertise, SPIE
Sustainable IT: eine Roadmap zur Steuerung des Fussabdrucks Ihrer IT-Infrastruktur
Die CSRD verpflichtet grosse Unternehmen seit 2024 zu einer detaillierten Berichterstattung über ihre Umweltauswirkungen – inklusive der digitalen Dimension. Der Anwendungsbereich wird schrittweise ausgeweitet. Gleichzeitig nehmen ESG-Anforderungen zu, und Geschäftsleitungen verlangen zunehmend transparente und nachvollziehbare Ergebnisse. In der Schweiz ergänzt der revidierte Artikel 964 OR diesen Rahmen für börsenkotierte Unternehmen und Organisationen von öffentlichem Interesse.
Für CIOs und CTOs stellt sich heute nicht mehr die Frage, ob die CO₂-Emissionen der IT erfasst werden sollen, sondern vielmehr, wo man beginnt, wie man priorisiert und wie sich Fortschritte messbar nachweisen lassen. Genau hier setzt eine fundierte Sustainable-IT-Roadmap an. Eine Sustainable IT-Roadmap ist ein strukturierter Plan zur Planung und Umsetzung von IT-Initiativen.
Dieser Leitfaden zeigt eine ganzheitliche Methodik in vier Schritten: Bewerten, Aufbauen, Handeln und Kommunizieren. Ziel ist es, Sie dabei zu unterstützen, einen nachhaltigen IT-Ansatz zu entwickeln, der langfristig Wirkung zeigt. Sie erhalten einen klaren Überblick über relevante Kennzahlen, konkrete Hebel und Best Practices – strukturiert nach Kategorien – sowie über zentrale Grössenordnungen und typische Stolpersteine.
SPIE begleitet Organisationen jeder Grösse auf dem Weg zu mehr ökologischer Verantwortung und unterstützt sie mit praxisnahen, direkt einsetzbaren Werkzeugen.
Sustainable IT, Green IT, IT4Green: drei Begriffe, drei Konzepte
Bevor eine IT-Roadmap entwickelt wird, sollte Einigkeit über die verwendeten Begriffe bestehen. Die drei genannten Konzepte finden sich häufig in Sustainable-IT-Strategien, bezeichnen jedoch unterschiedliche Ansätze. Werden sie vermischt, führt das zu unklaren Zielen und falschen Messgrössen.
Drei sich ergänzende Konzepte, ein gemeinsamer Horizont
Green IT beschreibt die Reduktion des ökologischen Fussabdrucks des Informationssystems selbst. Im Fokus stehen konkrete Massnahmen im eigenen Umfeld: die Lebensdauer von Geräten verlängern, Rechenzentren optimieren, den Energieverbrauch von Servern senken und im Alltag eine bewusste, ressourcenschonende Nutzung digitaler Technologien fördern. Eine Green-IT-Strategie konzentriert sich gezielt auf diese Hebel.
Sustainable IT – oft auch als verantwortungsvolle IT bezeichnet – geht einen Schritt weiter.
Dieser Ansatz integriert ökologische, soziale und Governance-Aspekte (ESG) in sämtliche IT-Entscheidungen. Dazu gehören nachhaltige Beschaffung, das Management des gesamten Geräte-Lebenszyklus sowie die Optimierung von Daten und Software. Ebenso wichtig ist die menschliche Dimension: Nutzungsgewohnheiten, digitale Suffizienz, Barrierefreiheit, Inklusion und Wohlbefinden. Ergänzt wird dies durch Governance, Messung und Reporting. Sustainable IT bildet damit den strategischen Rahmen für die Planung und Umsetzung einer nachhaltigen Digitalisierung.
IT4Green kehrt die Perspektive um: gemeint ist der Einsatz von IT-Werkzeugen, um Produkte, Dienstleistungen und Vermögenswerte grüner zu gestalten. Konkrete Beispiele sind intelligente Sensoren, die den Energieverbrauch von Gebäuden steuern, Monitoring Systeme, die industrielle Prozesse optimieren, oder Plattformen, die Geschäftsreisen dekarbonisieren.
- Green IT – den Fussabdruck des Informationssystems selbst reduzieren.
- Sustainable IT (nachhaltige IT) – IT strategisch nach ESG-Prinzipien führen.
- IT4Green – IT-Tools nutzen, um andere Geschäftsbereiche zu dekarbonisieren.
Diese drei Dimensionen ergänzen sich gegenseitig. Eine wirksame Sustainable-IT-Roadmap verbindet sie: Sie reduziert den Fussabdruck des Informationssystems, verankert ihn in einer umfassenden ESG-Governance und nutzt IT gezielt als Hebel zur Dekarbonisierung der gesamten Organisation.
Warum Massnahmen zur Reduktion des IT-Fussabdrucks ohne Systematik schnell zu Greenwashing werden
Viele Organisationen kommunizieren ihre Absicht, die Umweltauswirkungen ihrer IT zu reduzieren, ohne jedoch über einen klar strukturierten Aktionsplan zu verfügen. Das Ergebnis sind oft verstreute Initiativen, überschätzte Einsparungen, anhaltende Ineffizienzen – und eine sinkende Glaubwürdigkeit, sobald Stakeholder belastbare Nachweise verlangen.
Die drei klassischen Fehler unstrukturierter Ansätze
Fehler 1 – Handeln vor dem Messen. Ohne fundierte Bestandsaufnahme lässt sich weder ein realistischer Ausgangspunkt bestimmen noch erkennen, wo die grössten Hebel liegen. Zudem ist der CO₂-Fussabdruck der IT sehr ungleich verteilt – zwischen Endgeräten, Rechenzentren und Netzwerk. Wer ohne Datengrundlage handelt, optimiert ins Blaue hinein und kann Fortschritte weder nachvollziehbar belegen noch in ESG-Reviews oder Audits glaubwürdig darstellen.
Fehler 2 – Quick Wins mit Strategie verwechseln. Massnahmen wie Bildschirme früher ausschalten, Druckprozesse optimieren oder Mitarbeitende sensibilisieren sind sinnvoll – ersetzen aber keine Sustainable-IT-Strategie. Ihr Effekt auf den Gesamtfussabdruck bleibt begrenzt. Ohne eine mittel- bis langfristige Perspektive wird erheblicher organisatorischer Aufwand für vergleichsweise geringe Wirkung betrieben.
Fehler 3 – Kommunikation statt Governance. Digitale Suffizienz lässt sich nicht allein durch Kommunikation erreichen. Sie erfordert klare Verantwortlichkeiten, verbindliche Ziele, messbare und über die Zeit vergleichbare Kennzahlen sowie eine konsequente Integration in die IT-Entscheidungsprozesse. Fehlen diese Elemente, bleibt der Ansatz oberflächlich und wird schnell zur reinen Erzählung.
Schritt 1 – Bewerten: zuerst die CO₂-Emissionen der IT messen, dann handeln
Der erste Schritt einer fundierten Sustainable-IT-Roadmap ist immer eine objektive Bestandsaufnahme. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Massnahmen. Ziel ist es, die bestehende IT-Landschaft systematisch zu erfassen, Material- und Energieflüsse zu quantifizieren und sie mit relevanten Marktstandards zu vergleichen, um die tatsächlichen Prioritäten zu erkennen.
Die Ökobilanz der IT-Infrastruktur
Die Quantifizierung des CO₂-Fussabdrucks einer IT-Landschaft geht weit über die reine Messung des Stromverbrauchs von Servern hinaus. Eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) berücksichtigt alle Phasen des Lebenszyklus – von der Herstellung der Geräte über Transport und Nutzung bis hin zum Lebensende („cradle-to-grave“). So wird sichtbar, wo die grössten Auswirkungen entstehen und wo die wirksamsten Hebel liegen.
In der Praxis entfällt der grösste Anteil des IT-Fussabdrucks häufig auf die Herstellung der Endgeräte – oft mehr als auf die eigentliche Nutzungsphase. Wer diesen Aspekt ausser Acht lässt, unterschätzt seinen Fussabdruck systematisch und trifft potenziell falsche Investitionsentscheidungen.
SPIE führt solche Analysen über die Plattform Resilio durch, die der Norm ISO 14067 zur Quantifizierung des CO₂-Fussabdrucks von Produkten und Dienstleistungen entspricht. Dadurch lässt sich der Fussabdruck der IT-Infrastruktur detailliert abbilden – von Endgeräten über Server bis zu Netzwerkkomponenten. Die Ergebnisse sind prüfbar, über die Zeit vergleichbar und lassen sich in ESG-Reviews transparent und glaubwürdig darstellen.
Gerade für Organisationen am Anfang führt diese Analyse häufig zu neuen Erkenntnissen und verschiebt bestehende Prioritäten. Sie stimmt nicht immer mit der internen Wahrnehmung überein, ist aber ein unverzichtbarer Schritt: Denn steuern lässt sich nur, was messbar ist.
Den CO₂-Fussabdruck der IT messen: der Beitrag der Ökobilanz
Die Messung des Stromverbrauchs allein reicht nicht aus, um die CO₂-Emissionen der IT vollständig zu erfassen. Eine LCA ermöglicht es, eine Reihe von Umweltindikatoren entlang des gesamten Lebenszyklus zu analysieren – darunter Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch, Energieverbrauch und der Einsatz nicht erneuerbarer Ressourcen.
Diese ganzheitliche Sicht macht eine oft unterschätzte Realität deutlich: Bei Endgeräten wie PCs, Laptops oder Smartphones entstehen 70–80 % des gesamten CO₂-Fussabdrucks bereits in der Herstellungsphase. Für viele Organisationen ist diese Erkenntnis überraschend. Entsprechend wird klar: Die Lebensdauer von Geräten zu verlängern hat deutlich grössere Auswirkungen als Massnahmen wie die Optimierung des Standby-Verbrauchs.
Bei Rechenzentren sieht das Bild anders aus: Hier dominiert in der Regel die Nutzungsphase die Gesamtbilanz. Ausschlaggebend sind insbesondere die Kühlsysteme (30–40 % des Stromverbrauchs in klassischen Architekturen), der Energiemix und die tatsächliche Auslastung der Server. Diese Faktoren bilden die Grundlage, um die wirksamsten Massnahmen gezielt zu identifizieren und zu priorisieren.
Für eine erste Einschätzung stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, etwa Resilio, Boavizta, die Rechner der ADEME oder entsprechende Analysen von Cloud-Anbietern. Für vertiefte Analysen empfiehlt sich die Begleitung durch spezialisierte Expertinnen und Experten, um belastbare, prüffähige und CSRD-konforme Ergebnisse zu erhalten.
Schritt 2 – Aufbauen: eine massgeschneiderte Sustainable-IT-Roadmap entwickeln
Per Definition ist eine IT-Roadmap kein Katalog einzelner Massnahmen, sondern ein konkreter, priorisierter Umsetzungsplan. Nach der Bestandsaufnahme geht es darum, einen strukturierten IT-Aktionsplan zu entwickeln, der zu den realen Rahmenbedingungen der Organisation passt – abgestimmt auf Auditergebnisse, Budget und regulatorische Anforderungen.
Die fünf Bestandteile einer Sustainable-IT-Roadmap
Eine Sustainable-IT (SIT) Roadmap umfasst in der Regel fünf zentrale Handlungsfelder. Jedes davon beinhaltet spezifische Hebel mit unterschiedlicher Wirkung. Welche Massnahmen kombiniert und priorisiert werden, hängt von der Ausgangssituation ab und orientiert sich an bewährten Best Practices.
- Strategie und Governance: eine klare Sustainable-IT-Strategie auf Geschäftsleitungsebene verankern, Verantwortlichkeiten definieren, messbare Ziele setzen und die Wirkung mit geeigneten Kennzahlen verfolgen
- Einkauf und Beschaffung: ESG-Kriterien systematisch in Ausschreibungen integrieren, nachhaltige Lieferanten bevorzugen und Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus bewerten
- Endgeräte und Hardware: Wiederverwendung fördern, die Lebensdauer verlängern und Neuanschaffungen auf das Notwendige beschränken
- Infrastruktur und Rechenzentren: Energieeffizienz von Servern und Netzwerken optimieren, Kennzahlen wie den PUE-Wert verfolgen und auf nachhaltige Hosting-Lösungen setzen
- Nutzung und digitale Dienste: ressourcenschonende Nutzung im Alltag verankern – von E-Mail über Datenspeicherung bis zu Videokonferenzen – und Prinzipien der Ökogestaltung früh in Projekte integrieren
Quick Wins und strukturelle Massnahmen richtig kombinieren
Eine wirksame Green-IT-Strategie verbindet zwei Zeithorizonte:
Kurzfristiger Horizont (0 bis 12 Monate) – Quick Wins. Kurzfristige Massnahmen zeichnen sich durch eine geringe Umsetzungskomplexität und eine schnelle Wirkung aus. Dazu gehören beispielsweise das Aktivieren von Standby-Richtlinien, das Löschen redundanter, veralteter oder unnötiger Daten (ROT Data), das Identifizieren ungenutzter Softwarelizenzen sowie die Optimierung von Druckrichtlinien. Für sich genommen haben diese Massnahmen zwar nur einen begrenzten Einfluss auf den Gesamtfussabdruck, sie ermöglichen jedoch schnelle erste Erfolge, schaffen eine positive Dynamik innerhalb der Organisation und können bereits erste Einsparungen freisetzen.
Mittelfristiger Horizont (1 bis 3 Jahre) – strukturelle Hebel. Die grössten Reduktionspotenziale liegen im mittelfristigen Horizont. Dazu zählt die schrittweise Erneuerung der Hardware durch wiederaufbereitete oder nachhaltige Geräte ebenso wie die Neugestaltung der Rechenzentrumsarchitektur oder die Migration zu Hosting-Lösungen mit CO₂-armem Energiemix. Ergänzend kommt die Etablierung von Programmen zur digitalen Suffizienz sowie die systematische Integration von Sustainable-IT-Kriterien in die Beschaffung hinzu. Diese Vorhaben wirken strukturell und erfordern daher eine klare Governance, dedizierte Budgets sowie eine kontinuierliche Steuerung.
Die Priorisierung der Massnahmen basiert auf drei zentralen Kriterien: der erwarteten Wirkung auf zentrale Umweltkennzahlen wie CO₂-Emissionen und Energieverbrauch, der organisatorischen Machbarkeit in Bezug auf Budget, Kompetenzen und Abhängigkeiten sowie der Wirtschaftlichkeit, insbesondere im Hinblick auf erzielbare Energieeinsparungen.
Schritt 3 – Handeln: konkrete Hebel zur Reduktion der Umweltauswirkungen
Die Umsetzung eines verantwortungsvollen IT-Aktionsplans orientiert sich an den fünf zentralen Bereichen der Sustainable-IT-Bestandsaufnahme: Governance, Einkauf, Projekte, Nutzung und Verpflichtungen. Im Folgenden werden die wichtigsten Hebel je Bereich sowie der zugrunde liegende Ansatz beschrieben.
Sustainable-IT-Governance: die organisatorische Grundlage schaffen
Ohne klare Governance bleiben Initiativen oft fragmentiert und verlieren bei veränderten Prioritäten schnell an Wirkung. Eine strukturierte Sustainable-IT-Governance bildet daher die Grundlage für den langfristigen Erfolg. . Ohne sie kann keine der weiter unten folgenden Empfehlungen nachhaltig greifen. Zu den wichtigsten Governance Massnahmen zählen:
- Verantwortung zuweisen: Eine zuständige Person in der IT mit klarem Auftrag und messbaren Zielen benennen.
- Gremium aufbauen: Ein Steuerungsteam schaffen, das IT, Einkauf, HR und ESG-Verantwortliche zusammenbringt.
- Kennzahlen integrieren: Umweltwerte wie Stromverbrauch, PUE oder Hardware-Lebensdauer fest in bestehende IT-Dashboards einbinden.
- Richtlinien verankern: Eine klare Sustainable-IT-Policy definieren, intern kommunizieren und konsequent anwenden.
- Strategien abgleichen: Die Roadmap eng mit der übergeordneten ESG-Strategie des Unternehmens abstimmen, um Widersprüche zu vermeiden.
So wird aus einzelnen Initiativen ein strukturierter Verbesserungsprozess. Gleichzeitig schafft Governance die Voraussetzung für verlässliche Daten, etwa für CSRD-Reporting oder die Erlangung von Sustainable-IT-Labels.
Verantwortungsvoller Einkauf und Lebenszyklusmanagement
Der Einkauf ist einer der wirkungsvollsten Hebel zur Reduktion der CO₂-Emissionen der IT, da er den grössten Teil des Fussabdrucks adressiert: die Herstellung der Geräte. Entsprechend wichtig ist es, Nachhaltigkeitskriterien systematisch in Beschaffungsprozesse zu integrieren.
- Das umfasst unter anderem die Berücksichtigung von Umweltlabels wie EPEAT, TCO Certified oder Energy Star.
- Genauso wie die Verlängerung der Gerätelebensdauer durch Wartung und Wiederverwendung.
- Gleichzeitig sollte der Anteil wiederaufbereiteter oder nachhaltiger Geräte erhöht und …
- …ein transparentes Verfahren für die Rücknahme und Verwertung von Altgeräten etabliert werden.
- Auch die Auswahl und Bewertung von Lieferanten nach ökologischen Kriterien spielt eine zentrale Rolle.
Optimierung von Rechenzentren und Kühlung
Rechenzentren haben einen wesentlichen Anteil am ökologischen Fussabdruck der IT. Ein grosser Teil des Energieverbrauchs (30-40%) entfällt dabei klassischerweise auf die Kühlung, was sie zu einem zentralen Hebel für Effizienzsteigerungen macht.
- Eine Optimierung kann unter anderem durch die Senkung des PUE-Werts erfolgen – mit Zielwerten unter 1,4 für bestehende Infrastrukturen und unter 1,2 für Neubauten.
- Auch der Einsatz effizienterer Kühltechnologien wie Free Cooling oder adiabatische Systeme kann den Energiebedarf deutlich reduzieren.
- Weitere Hebel ergeben sich durch eine stärkere Virtualisierung der Server, eine bessere Auslastung sowie die gemeinsame Nutzung von Kapazitäten innerhalb eines Unternehmens.
- Zusätzlich kann die Umstellung auf erneuerbare Energien oder die Auslagerung in effizientere Colocation-Rechenzentren einen signifikanten Beitrag leisten.
Verantwortungsvolle Cloud und Green Ops Praktiken
Eine Cloud-Migration führt nicht automatisch zu geringeren Emissionen. Entscheidend sind die Architektur, die Steuerung der Ressourcen und die Wahl des Anbieters. Ohne gezielte Optimierung kann eine Cloud-Umgebung sogar energieintensiver sein als ein gut betriebenes On-Premise-Rechenzentrum.
Eine nachhaltige Cloud-Nutzung beginnt daher mit:
- Der Auswahl von Anbietern, die transparente und überprüfbare Klimaziele verfolgen.
- Einer optimierten Cloud-Architektur, um Überdimensionierung zu vermeiden – etwa durch Rightsizing oder Auto-Scaling.
- Der Umsetzung von GreenOps-Praktiken, wie beispielsweise dem automatischen Abschalten ungenutzter Ressourcen und dem Löschen inaktiver Umgebungen.
- Der kontinuierlichen Überwachung des Cloud-Fussabdrucks (Cloud Carbon Footprint, oder gleichwertige Tools von Lieferanten).
- Der Wahl des Datenstandorts, sowohl aus Effizienzgründen als auch im Hinblick auf regulatorische Anforderungen (GDPR, Swiss DSG, Cloud Act).
IT for Green: Technologie als Hebel für andere Bereiche
IT for Green wird häufig unterschätzt, bietet aber grosse Potenziale. Gemeint ist der gezielte Einsatz von IT, um den Fussabdruck anderer Unternehmensbereiche zu reduzieren – insbesondere im Gebäudebereich, der einen erheblichen Anteil am gesamten nationalen Energieverbrauch (rund 40% in der Schweiz) ausmacht.
Digitale Lösungen zur Steuerung von Gebäuden ermöglichen deutliche Einsparungen, etwa durch Echtzeit-Monitoring, optimierte Steuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimasystemen sowie automatisierte Nutzungsszenarien. Solche Ansätze können den Energieverbrauch je nach Ausgangssituation deutlich senken (25-35%). Gleichzeitig zeigen diese Ansätze, dass IT nicht nur Teil des Problems ist, sondern auch Teil der Lösung sein kann – und helfen dadurch in der Positionierung gegenüber Kundinnen und Kunden.
Digitale Nutzung und digitale Suffizienz der Mitarbeitenden
Die Nutzung wird in Sustainable-IT-Roadmaps oft vernachlässigt, obwohl sie einen relevanten Einfluss auf den Gesamtfussabdruck hat. Insbesondere Datenspeicherung und der Einsatz von Endgeräten tragen wesentlich dazu bei und bieten gleichzeitig ein grosses Potenzial für Verhaltensänderungen.
Hier geht es vor allem darum:
- Mitarbeitende für einen bewussteren Umgang mit digitalen Ressourcen zu sensibilisieren und entsprechende Richtlinien zu etablieren.
- E-Mails und Cloud-Speicher effizienter zu nutzen, Datenmüll zu reduzieren und eine Kultur der digitalen Suffizienz zu fördern.
- Nachhaltigkeitskriterien in der Entwicklung von IT-Projekten zu berücksichtigen, im Sinne von Green-by-Design-Prinzipien.
- Die Nutzung von Anwendungen systematisch zu messen, um besonders emissionsintensive Verhaltensweisen zu identifizieren und gezielt zu adressieren.
Schritt 4 – Kommunikation und Reporting: die grüne digitale Transformation in der Unternehmensführung verankern
Ein Sustainable-IT-Ansatz, der sich nicht im Reporting widerspiegelt, bleibt für externe Stakeholder praktisch unsichtbar. Dieser vierte Schritt wird deshalb oft unterschätzt, obwohl er entscheidend ist – sowohl für die Glaubwürdigkeit als auch für die langfristige Verankerung in der Organisation.
Reporting und Integration in CSRD sowie Nachhaltigkeitsziele 2030
Die europäische CSRD-Richtlinie verpflichtet immer mehr Unternehmen, ihre Umweltauswirkungen in einem standardisierten Nachhaltigkeitsbericht offenzulegen. Digitale Aspekte, die lange nur am Rand berücksichtigt wurden, rücken dabei zunehmend in den Fokus und werden meist dem Scope 3 zugeordnet – getrieben durch regulatorische Anforderungen und steigende Erwartungen der Stakeholder. In der Schweiz schafft Artikel 964a OR vergleichbare Vorgaben für börsenkotierte Unternehmen und Organisationen von öffentlichem Interesse. Gleichzeitig hat der Bundesrat die Annäherung an die europäischen Standards eingeleitet. Viele Unternehmen verankern ihre Sustainable-IT-Roadmap zusätzlich in ihren Nachhaltigkeitszielen für 2030 (z.B. SBTi).
Für IT-Teams bedeutet das, verlässliche und nachvollziehbare Daten zu den digitalen Treibhausgasemissionen bereitzustellen – strukturiert nach Scopes (1, 2, 3) und integriert in die ESRS-Standards. Voraussetzung dafür sind klare Datenerfassungsprozesse, geprüfte Berechnungsmethoden und eine durchgängige Transparenz über das gesamte IT-System hinweg – von Endgeräten über Netzwerke bis hin zu Rechenzentren und Cloud-Umgebungen.
Organisationen, die hier gut aufgestellt sind, nutzen ihre Sustainable-IT-Roadmap als Grundlage für ihr Reporting. Jede umgesetzte Massnahme liefert konkrete Daten, die direkt in die Umweltkennzahlen einfliessen. So wird die Roadmap zu einem strategischen Steuerungsinstrument – und nicht nur zu einem internen Projekt.
Sustainable-IT-Labels und glaubwürdige Kommunikation
Anerkannte Labels wie das INR Sustainable IT Label oder vergleichbare Referenzrahmen ermöglichen es, den eigenen Ansatz durch unabhängige Stellen validieren zu lassen. Das stärkt die Glaubwürdigkeit gegenüber Kundinnen und Kunden, Investorinnen und Investoren sowie internen Anspruchsgruppen.
Damit Kommunikation wirklich wirkt, sollte sie vier zentrale Kriterien erfüllen:
- Faktenbasiert: Erstens muss sie faktenbasiert sein und auf gemessenen Kennzahlen beruhen.
- Fortlaufend: Sie sollte die Entwicklung über die Zeit abbilden, anstatt nur einzelne Resultate zu präsentieren.
- Kontextbezogen: Drittens brauchen Zahlen Kontext, damit sie verständlich werden – beispielsweise durch Vergleiche oder konkrete Beispiele.
- Transparenz: Viertens gehört auch Transparenz über Grenzen dazu. Ergebnisse sollten nicht überschätzt und Lücken offen benannt werden.
Ein strukturierter, dokumentierter IT-Aktionsplan mit klaren Kennzahlen und prüffähigen Ergebnissen ist der beste Schutz vor Greenwashing-Vorwürfen. Er macht aus einem Anspruch eine tatsächlich gelebte Sustainable-IT-Governance. Gleichzeitig gewinnt dieses Thema auch regulatorisch an Bedeutung: Die europäische Green Claims Directive wird den Rahmen für Umweltaussagen weiter schärfen. Unternehmen, die früh auf transparente, belegbare und klar abgegrenzte Aussagen setzen, reduzieren nicht nur ihr Reputationsrisiko, sondern auch ihr regulatorisches Risiko.
Referenzwerte zur Kalibrierung Ihrer Ziele
Bevor konkrete Ziele definiert werden, ist es hilfreich, sich an realistischen Grössenordnungen zu orientieren. Die folgenden Werte basieren auf Branchenstudien sowie auf Erfahrungen aus Projekten in Unternehmen in ganz Europa:
10 bis 20 % Reduktion der CO₂-Emissionen der IT innerhalb von drei Jahren durch eine vollständige Roadmap (Quelle: Wavestone)
25 bis 35 % Energieeinsparung in Gebäuden durch intelligente Steuerungslösungen (IT4Green)
70 bis 80 % des CO₂-Fussabdrucks eines Endgeräts entstehen in der Herstellung, nicht in der Nutzung
30 bis 40 % des Stromverbrauchs eines klassischen Rechenzentrums entfallen auf die Kühlung
30 bis 40 % der in Unternehmen gespeicherten Daten sind redundant, veraltet oder ohne Mehrwert («ROT» Data)
Wichtige Hinweise: Diese Grössenordnungen helfen dabei, einen belastbaren Business Case zu entwickeln und ambitionierte, aber realistische Ziele zu setzen. Sie zeigen auch, dass die grössten Hebel häufig nicht dort liegen, wo Unternehmen ihre Anstrengungen intuitiv konzentrieren; etwa bei Endgeräten, der Kühlung von Rechenzentren oder unnötigen Datenbeständen.
Was SPIE für Ihren Sustainable IT Ansatz bietet
Der Ansatz von SPIE folgt den vier in diesem Leitfaden beschriebenen Schritten und legt bewusst den Fokus auf konkrete, umsetzbare Ergebnisse:
- Schritt 1 – Bewerten: Im ersten Schritt erfolgt eine Sustainable-IT-Reifegradanalyse entlang der fünf zentralen Bereiche (Governance, Einkauf, Projekte, Nutzung und Verpflichtungen) sowie eine Ökobilanz der IT-Infrastruktur. Ergebnis ist eine faktenbasierte Standortbestimmung mit klaren Prioritäten.
- Schritt 2 – Aufbauen: Darauf aufbauend wird im zweiten Schritt eine individuell zugeschnittene Roadmap entwickelt, die direkt aus den Analyseergebnissen abgeleitet ist – inklusive Wirkungsabschätzung der einzelnen Hebel und Abstimmung auf mögliche Zertifizierungen oder Labels.
- Schritt 3 – Handeln: Im dritten Schritt folgt die Umsetzung der priorisierten Massnahmen, etwa durch die Verlängerung der Hardwarelebensdauer und deren Wiederaufbereitung (z. B. über den re-useIT-Kanal), die Optimierung von Rechenzentren oder den Einsatz von IT-for-Green-Lösungen zur Gebäudesteuerung.
- Schritt 4 – Kommunizieren: Der vierte Schritt konzentriert sich auf Kommunikation und Sensibilisierung, beispielsweise durch Workshops wie das «Puzzle der Digitalisierung» oder die «Fresque du Climat».
Typische Kundinnen und Kunden sind mittelständische Unternehmen sowie grosse, international tätige Organisationen. Häufig befinden sie sich an einem Wendepunkt – entweder beim Aufbau eines strukturierten Sustainable-IT-Ansatzes oder bei der Vorbereitung auf ein entsprechendes Label.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, eine Sustainable-IT-Roadmap aufzubauen?
Eine erste Reifegradanalyse dauert in der Regel fünf bis zehn Tage und kann – abhängig von der Verfügbarkeit der Teams – innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden. Die Roadmap ergibt sich direkt aus dieser Analyse sowie aus der Ökobilanz. Die anschliessende Umsetzung hängt von den gewählten Massnahmen und der Komplexität der Organisation ab.
Welche Massnahmen sind kurzfristig am wirkungsvollsten?
Zu den schnell umsetzbaren Massnahmen zählen insbesondere
- das Löschen von ROT Data (die oft 30–40 % der Datenbestände ausmachen),
- die Aktivierung von Standby-Richtlinien,
- die Identifikation ungenutzter Softwarelizenzen
- sowie die Sensibilisierung der Mitarbeitenden im Umgang mit Daten.
Diese Quick Wins liefern rasch messbare Ergebnisse und schaffen die Grundlage für weitergehende Massnahmen. Auch die Verlängerung der Hardwarelebensdauer sollte früh angegangen werden, selbst wenn sich deren volle Wirkung erst mittelfristig zeigt.
Wie lassen sich die CO₂-Emissionen meiner IT-Infrastruktur konkret messen?
Grundlage sind drei zentrale Datenquellen:
- Der Stromverbrauch: Rechnungen, Daten aus Smart-Metern (intelligenten Zählern) und Angaben von Cloud-Anbietern.
- Das Hardware-Inventar: Anzahl, Alter, Art und Standort der Geräte.
- Die Lieferantendaten: Hosting, Netzwerk und Telekommunikation.
Tools wie Resilio oder Cloud Carbon Footprint ermöglichen daraus erste Berechnungen in CO₂-Äquivalenten. Eine Ökobilanz ergänzt die Herstellungsphase und sorgt für ein vollständigeres Bild. Für verlässliche, CSRD-konforme Ergebnisse empfiehlt sich die Begleitung durch spezialisierte Expertinnen und Experten.
Reduzieren Virtualisierung und Cloud-Migration automatisch die Emissionen?
Nein, nicht zwingend. Zwar kann Virtualisierung den Energieverbrauch reduzieren, da weniger physische Maschinen benötigt werden. Der tatsächliche Effekt hängt jedoch stark vom Ausgangsniveau und der Nutzung der freigewordenen Ressourcen ab. Auch Cloud-Migrationen sind nur dann vorteilhaft, wenn sie aktiv gesteuert werden – etwa durch konsequentes Rightsizing, GreenOps-Praktiken und die Wahl geeigneter Anbieter.
Welche regulatorischen Anforderungen gelten in der Schweiz und in Europa?
In der EU verpflichtet die CSRD Unternehmen zunehmend, ihre Umweltauswirkungen – inklusive der digitalen – gemäss ESRS-Standards offenzulegen. Weitere Regelwerke wie die EU-Taxonomy, die ESPR-Verordnung oder das „Right to Repair“ erhöhen die Anforderungen zusätzlich. In der Schweiz schafft Art. 964a OR entsprechende Transparenzpflichten für börsenkotierte Unternehmen und Organisationen von öffentlichem Interesse, ergänzt durch die Klimaverordnung. Für international tätige Unternehmen empfiehlt sich eine Ausrichtung an den europäischen Standards.
Ihre IT-Infrastruktur verdient eine Sustainable-IT-Roadmap auf ihrem Niveau.
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Mit einer kostenlosen Mini-Reifegradanalyse („Mini-Check Sustainable IT“) erhalten CIOs, CTOs und ESG-Verantwortliche eine erste objektive Einschätzung ihrer Ausgangslage sowie klare Handlungsprioritäten. Ein unverbindlicher Austausch mit einer Expertin oder einem Experten von SPIE zeigt Ihnen, wo Sie konkret ansetzen können.
